I. Tag: Montségur & mehr

Montségur – Symbol der Katharer sowie Fontestorbes & Notre Dame de La Val

Blick auf Montségur

War bei unserer Ankunft noch schönstes Wetter und strahlender Sonnenschein, kam gegen abends bereits starker Wind auf. Alles zog sich zu und kesselte uns regelrecht ein in unserem kleinen Tal.

Tatsächlich war die Wettervorhersage für ganz Südfrankreich desaströs, für mehrere Tage war Starkregen prognostiziert worden und die Natur brauchte das Wasser ja auch dringend. Jedoch waren wir so gesegnet, dass wir für unsere jeweiligen Kraftortbesuche – mit etwas Umplanen und Flexibilität – die ganze Woche gutes, trockenes und meist auch wirklich schönes, sonniges Wetter hatten. Da, wo wir hinfuhren begleitete uns Licht am Himmel.

Den Wind und das ‚Eingekesselt-Werden‘ empfanden wir als sehr mystisch. Leider können meine Worte diese Stimmung gar nicht widergeben. Es war der Mistral, von Osten, vom Mittelmeer kommend, der uns reinigte und vorbereitete. Bugarach, der Berg, war für einige Tage unsichtbar, obwohl nur 10 km Luftlinie entfernt und doch spürten wir seine Präsenz.

Der besondere Lorbeerbaum am Fuße von Montségur

Unser erster Tag führte uns also wetterbedingt tiefer ins Landesinnere, nach Montségur.

Eigentlich hatte ich für den ersten Tag nach der Anreise einen etwas sanfteren Einstieg geplant, aber das Land hatte anderes mit uns vor, wie uns die ‚Wettergötter‘ zeigten.

So ging es also gleich zu einem der kraftvollsten Orte der Region: Montségur – heiliger Berg, Festung, Katharerburg -, eng verwoben mit dem Schicksal der Katharer, das uns alle berührt, da es unsere eigene Geschichte ist.

Fontaine de Fontestorbes

Zunächst führte unser Weg jedoch direkt an der Fontaine de Fontestorbes vorbei, einem Naturphänomen, einer sogenannten intermittierenden Quelle. Von dieser Art Phänomen sind nur circa 30 dieser Art weltweit bekannt. Vor  2000 Jahren wurde dieser Quelle zumindest so viel Bedeutung beigemessen, dass sie den römischen Geschichtsschreibern eine Erwähnung wert war.

Fontaine de Fontestorbes

Die Bedeutung dieses Ortes liegt jedoch viel weiter zurück. Er ist ein Naturheiligtum und wird als Feenquelle und Feengrotte gesehen – mit entsprechenden örtlichen Legenden – und auf den darüber liegenden Hügeln findet man keltische und noch ältere Siedlungsspuren sowie Spuren von Ritualplätzen.

Unser Timing war perfekt: als wir ankamen, verströmte die Quelle gerade ihr Wasser und so wussten wir, dass wir nach Abklingen gut 30 Minuten Zeit haben würden, um hinein zu gehen und die Energien zu genießen.

So manch einer hat hier nämlich schon nasse Füße bekommen.

Montségur

Aufstieg zu Montségur

Auf der Weiterfahrt erzählte ich im Auto die Geschichte der Katharer, über ihre Philosophie und Spiritualität.

Ich weiß nicht, ob ich sie jemals erzählen werde können ohne zu weinen.

Andererseits kenne ich auch niemanden, den sie nicht berührt. Es ist eine Geschichte der Liebe, der Freiheit, der Freiheit des Herzens und des Glaubens, die im systematischen Massenmord endete und den Beginn der offiziellen Inquisition der römisch katholischen Kirche markierte, dem über viele Hunderte von Jahren noch viele Menschen, ‚Ketzer‘ genannt, zum Opfer fallen sollten.

Hier ein wenig davon in aller Kürze:

Geschichte der Katharer

Die Reste der Burgruine

Die Katharer sahen sich als ‚wahre Christen‘, als die ‚Reinen‘, die den ursprünglichen Lehren von Jeshua und Maria Magdalena folgten.

Dies bedeutete nicht die Anbetung dieser beiden Personen, sondern den Weg wie ihn eben auch Jeshua, Maria Magdalena und andere der direkten Erkenntnis gegangen waren:  ein Weg der kontinuierlichen Bewusstseinsentwicklung, Weiterentwicklung und inneren Reinigung. Sie sahen sich als Kinder Gottes (und dies galt für sie als ein Geburtsrecht aller Menschen), die zurück kehren sollten in ihre ‚wahre Heimat‘, ins Licht. Der Weg der kontinuierlichen Reinigung bedeutete, ein besserer, achtsamerer Mensch zu werden und zu lernen, das ewige Rad der Wiedergeburt zu durchbrechen, um einzugehen in ein anderes Bewusstsein.

Sie waren aus allen Gesellschaftsschichten und in allen Berufen zu finden und hoch angesehen in ihren Gemeinden, die sich zu ihrer Blütezeit im 11. bis 13. Jahrhundert aus allen möglichen Glaubensrichtungen zusammensetzten. Okzitanien war eine tolerante Region. Die Katharer arbeiteten hart, lebten genügsam und fanden sich abends zusammen um zum Beispiel das Johannes-Evangelium zu studieren sowie andere spirituelle Philosophien und diskutierten die Lehren zu ihrer Weiterbildung und ihrem Streben nach innerer Erkenntnis.

Blick über das Land

Sie waren bewandert in den Heilkünsten, das Naturheilkunde und energetisches Wissen ähnlich wie bei den Druiden beinhaltete, und lebten mit einer ähnlich Philosophie wie die Essener Tausend Jahre zuvor, aus deren Gemeinde Jeshua entstammte. Der große Unterschied war jedoch, dass bei den Katharern Männer und Frauen gleichberechtigt waren: in der Gesellschaft, in Rechtsangelegenheiten, in spirituellen Positionen. Viele führen das auf das Wirken und die Errungenschaften von Maria Magdalena zurück.

Sie verstanden die tieferen Mysterien des Lebens, die die Prinzipien des Göttlich-Weiblichen mit  einschlossen, ja, sie wussten sogar, dass diese ein wesentlicher Bestandteil auf ihrem Weg der Erleuchtung war. Sie ehrten die Natur und waren Vegetarier und Pazifisten. Das Land war reich und fruchtbar, die Künste erblühten (es war die Zeit der Troubadoure) und Okzitanien war zu dieser Zeit eine der reichsten und fortschrittlichsten Gegenden Europas.

Mahnmal zur Erinnerung an den Mord der Katharer

Dies zog jedoch die Aufmerksamkeit des französischen Königs im Norden und des Papstes auf sich: der König wollte sich das Land unter den Nagel reißen, der Papst bestand auf seinem Allein-Herrschertum in religiösen Fragen und wollte, dass alle Strömungen sich unterzuordnen sowie ihre Abgaben an die römisch-katholische Kirche zu zahlen hatten. Kurz: alle sollten ihn anerkennen (um Jeshua und seine Lehren ging es da bereits schon nicht mehr) sowie diese Glaubensrichtung mitfinanzieren zum Ausbau der Macht.

Dieser vom Papst begonnene Vernichtungszug vor ca. 700 – 800 Jahren betraf alle ‚abtrünnigen Strömungen‘, aber niemandem wurde mit so viel Hass und Vernichtungswillen begegnet wie den Katharern. Diese lehnten die römisch-katholische Kirche ab, da diese in ihren Augen nur noch an Macht, Einfluss und Geld statt an der Reinigung der Seele interessiert war und die wahren Lehren Jeshuas vergessen hatte.

Bis heute sind sie umwittert von Geheimnissen und es halten sich Legenden, dass es auch ein Testament von Maria Magdalena gab, die dort – in Südfrankreich – ebenfalls gewirkt haben soll nach ihrem Auszug aus Palästina oder dass die Katharer andere Schätze oder Geheimnisse besaßen (materielle und/oder immaterielle), durch die sie besonderes Wissen und Befähigungen hatten.

Le Pog – der Bergkegel Montségur

Als der Kreuzzug gegen die Katharer im Süden Frankreichs begann, erfuhr diese Bevölkerungsgruppe großen Rückhalt von der Bevölkerung, auch von der herrschenden Klasse, die zum Teil selbst ‚Eingeweihte‘ waren. Viele von ihnen bauten ihre Burgen und Festungen aus, um den Katharern Unterschlupf und Schutz zu gewähren und sie mit Nahrungsmitteln und anderen lebensnotwendigen Dingen zu versorgen.

Montségur ist eine dieser Festungen und steht am engsten mit dem Schicksal der Katharer in Verbindung. Die Verbrennung von 225 Katharern – Männer, Frauen und Kindern, das jüngste sechs Jahre alt – im März 1244 markierte das Ende der Katharerbewegung. Wenn es auch nicht das letzte Ereignis dieser Art war (es ging noch ein paar Jahre weiter, der letzte offizielle Kreuzzug fand 1255 auf der Katharerburg Queribus statt), so war doch klar, dass die Katharerbewegung ausgelöscht war. Die restlichen, die überlebt hatten, flohen oder gingen in den Untergrund.

Übrigens: erst vor drei Jahren, im Oktober 2016, baten Stellvertreter der katholischen Kirche öffentlich in einem Treffen und einer Zeremonie um Verzeihung. Dieser Akt ging ein unter dem Namen ‚Le Grand Pardon de Montségur‘.

Als ich das erste Mal zu Montségur hochpilgerte hatte ich Angst, dass mich das Leid der Katharer und großer Schmerz überwältigen würde. Umso überraschter war ich, dass ich mit jedem Schritt – und trotz körperlicher Anstrengung beim Aufstieg – mehr und mehr Stärke verspürte.

Blick vom Parkplatz – ab hier startet man den Aufstieg

Dieser kegelförmige Berg mit 1207 Metern Höhe ist ein uralter Kraftort, auch wenn es keine offiziellen Nachweise dafür gibt.

Für mich haben hier jedoch unendlich viele Generationen von Eingeweihten ihre Spuren hinterlassen, vor den Katharern und auch danach, und es lohnt sich hier einzutauchen, immer tiefer, und sich dieser Energie und Kraft zu überlassen.

Wer dort als Pilger, als ‚Suchender in der Fremde‘, mit entsprechend offenem Herzen und Demut hochsteigt, wird immer etwas erfahren und zurückbekommen. Ihm/ihr wird gegeben.

Als wir morgens von unserer Unterkunft aus losfuhren, sahen wir in der Ferne einen blauen Kreis am Wolkenhimmel (Montségur war 60 Kilometer von unserer Unterkunft entfernt) und tatsächlich erwartete uns Sonne und blauer Himmel, als wir dort ankamen.

Eine zweite freudige Überraschung war, dass wir aufgrund der ‚Jours de Patrimoine‘ (eine Art Tag des offenen Denkmals) freien Eintritt hatten.

Wir stiegen also die glatten, abgeschliffenen Steine hoch, jede für sich, und nahmen die Kraft und Stärke des Berges in uns auf. Auch oben verbanden wir uns mit dem Berg und der Kraft der Katharer und jede für sich hatte ihre individuellen Erlebnisse. Die Energien werden jedenfalls noch nachwirken, so wie von anderen besonderen Orten, die wir in dieser Woche besuchten.

Notre Dame de La Val d’Amour

Notre Dame de La Val d’Amour

Auf der Rückfahrt stoppten wir noch bei der Wallfahrtskirche Notre Dame de La Val d’Amour (Unsere liebe Frau aus dem Tal der Liebe), die erfreulicherweise ebenfalls an diesem Tag geöffnet hatte.

Unter der jetzigen Kirche befindet sich die alte Kapelle mit einer Heilquelle und einem 8-zackigem Stern im Boden. Dieser Stern wird oft mit Isis in Verbindung gebracht und der Name ‚Notre Dame‘ – bei uns z.B. ‚Unsere liebe Frau`- ohne namentlicher Zuordnung deutet ebenfalls auf einen alten, weiblichen Kraftort hin.

Der 8-zackige Stern in der Krypta

Leider ist die Quelle seit Mai 2019 versiegt. Der Pfarrer, der ebenfalls anwesend war und uns zunächst äußerst skeptisch beäugte, als wir unsere Essenzenfläschchen in der Kapelle platzierten, wurde jedoch doch noch ganz zugänglich und sagte, sie wüssten auch nicht warum, die Quelle vertrocknet sei, es gäbe keine Erklärung.

Ich spürte jedoch einen ganz tiefen Schmerz:

Die versiegte Heilquelle in der Krypta

wenn weibliche Kraftorte und der ‚Spirit des Ortes‘ nicht gesehen, nicht anerkannt wird, sondern zu sehr vereinnahmt und/oder ausgebeutet werden, kann sich die Energie und in letzter Konsequenz auch das Wasser zurückziehen, so wie es auch bei anderen Heilquellen leider immer wieder geschieht und geschehen ist.

Nach individuellen Gebeten und Meditation in der Krypta ging es nach einem langen und reichen Tag wieder zurück in unsere Unterkunft.

Weitere Artikel zum Rückblick der Seelenreise Südfrankreich 2019:

Erster Teil – Lavaldieu, Ankunft und Vorbereitung:
https://yvonne-hrdy.com/2019/10/03/seelenreise-sudfrankreich-ein-ruckblick/

3 Kommentare zu “I. Tag: Montségur & mehr

  1. Pingback: Seelenreise Südfrankreich – Ein Rückblick | Yvonne Hrdy

  2. Hey,

    dein Bericht erweckt in mir die Sehnsucht, dort auch einmal

    hinzufahren. Vielleicht klappt es in ein paar Jahren – spätestens 6 J. –

    da sind alle Kinder 18!.

    Schöne Grüße

    Sylvia

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